Wer mit Kindern unterwegs ist, kennt das Problem: Museen werden nach zwanzig Minuten langweilig, Wanderungen enden mit Meckern, und Sehenswürdigkeiten ohne Erlebnisfaktor ziehen schlicht nicht. Die Teufelshöhle bei Pottenstein in der Fränkischen Schweiz ist anders. Hier hört das Quengeln auf, sobald die ersten Tropfsteine auftauchen.
Die Fränkische Schweiz ist eine Region im Norden Bayerns, die viele Besucher aus dem Rest Deutschlands unterschätzen. Zwischen Nürnberg, Bamberg und Bayreuth erstreckt sich eine Landschaft aus Kalkfelsen, tiefen Wäldern und kleinen Dörfern. Für Familien hat die Region einen klaren Vorteil: Die Wege sind kurz, die Preise moderat, und die Auswahl an naturnahen Erlebnissen ist groß. Die Teufelshöhle bei Pottenstein ist dabei das bekannteste Highlight, aber bei weitem nicht das einzige.
Pottenstein selbst liegt etwa 45 Kilometer nordöstlich von Nürnberg und ist mit dem Auto gut erreichbar. Wer mit der Bahn anreist, fährt bis Neuhaus an der Pegnitz und nimmt dann den Bus. Das Dorf hat einen mittelalterlichen Charakter, eine Burg über dem Ort und mehrere Gasthäuser, in denen es fränkische Küche gibt.
Die Teufelshöhle ist eine der größten Schauhöhlen Deutschlands. Das Höhlensystem erstreckt sich über mehr als zwei Kilometer, der öffentlich zugängliche Rundweg misst rund 1,1 Kilometer und lässt sich in etwa 45 bis 60 Minuten ablaufen. Die Führungen starten regelmäßig, in der Hochsaison alle 30 Minuten.
Was Kinder sofort fesselt, sind die Tropfsteine. Stalaktiten hängen von der Decke, Stalagmiten wachsen aus dem Boden, und in einigen Kammern haben die Felsen durch Jahrtausende der Ablagerung bizarre Formen angenommen. Die Höhle wurde 1894 entdeckt, aber erst in den 1920er Jahren für Besucher erschlossen. Heute ist sie beleuchtet, die Wege sind befestigt und mit Geländern gesichert.
Die Temperatur in der Höhle liegt konstant bei etwa 9 Grad Celsius. Das klingt kalt, und das ist es auch. Ein dünnes Sommershirt reicht nicht. Wer mit Kindern kommt, sollte für alle eine Jacke einpacken, egal wie warm es draußen ist. Gutes Schuhwerk ist ebenfalls Pflicht, weil der Boden in manchen Abschnitten feucht und rutschig ist.
Kinder ab etwa vier Jahren können die Führung in der Regel problemlos mitmachen. Die Wege sind zwar keine ebene Flaniermeile, aber auch nicht extrem anspruchsvoll. Es gibt Treppen und enge Passagen, die für kleinere Kinder sogar besonders aufregend wirken. Kinderwagen sind allerdings nicht geeignet. Babys und Kleinstkinder lassen sich in Tragehilfen mitnehmen, aber das ist Ermessenssache der Eltern.
Alle Informationen zu Öffnungszeiten, Tickets und aktuellen Führungszeiten findet ihr direkt auf der Seite zur Teufelshöhle, die regelmäßig aktualisiert wird. Besonders in den Schulferien lohnt es sich, die Zeiten vorher zu checken, da der Andrang dann deutlich größer ist.
Ältere Kinder und Jugendliche interessieren sich oft für die Geologie. Die Führerinnen und Führer erklären, wie Tropfsteine entstehen und warum es Jahrtausende dauert, bis sich auch nur ein Zentimeter Kalkstein ablagert. Für Schulkinder ab der dritten oder vierten Klasse ist das greifbarer als jeder Schulbuch-Text.
Ein paar Dinge helfen dabei, dass der Tag reibungslos läuft:
Wer zwei oder drei Tage in der Fränkischen Schweiz verbringt, kommt auf seine Kosten, auch ohne die Höhle als einziges Ziel. Die Region hat mehr als 1000 Burgen, Ruinen und Burgstellen, die meisten davon frei zugänglich. Für Kinder, die Ritter und Burggeschichten mögen, ist das ein Paradies.
In Gößweinstein steht eine der bekanntesten Wallfahrtskirchen Frankens, direkt daneben gibt es eine gut erhaltene Burg, die besichtigt werden kann. Die Stadt Forchheim am westlichen Rand der Region hat eine Kaiserpfalz aus dem Mittelalter, die ebenfalls Führungen für Schulklassen und Familien anbietet.
Wer wandern möchte, findet auf dem Gebiet der Fränkischen Schweiz rund 3500 Kilometer ausgeschilderte Wege. Für Familien mit jüngeren Kindern empfehlen sich die kürzeren Rundwege rund um Pottenstein und Gößweinstein, die selten länger als fünf Kilometer sind und meistens an einem Spielplatz oder einem Gasthaus vorbeiführen.
Die Teufelshöhle ist kein Geheimtipp mehr, aber sie ist auch kein überlaufener Touristenmagnet ohne Substanz. Der Besuch ist für Kinder echtes Erlebnis, nicht aufbereitetes Programm. Die Kombination aus Naturphänomen, spannender Atmosphäre und konkreten Informationen zur Entstehung der Höhle macht den Ausflug für verschiedene Altersgruppen gleichzeitig interessant.
Für Familien aus Mittelfranken, Oberfranken oder dem Großraum Nürnberg ist die Anfahrt kurz genug für einen spontanen Tagesausflug. Wer von weiter kommt, findet in der Region genug weitere Ziele, um daraus ein Wochenende zu machen. Die Fränkische Schweiz ist eine der unterschätzten Ecken Bayerns, und die Teufelshöhle ist ein guter Einstieg.