Saubere Klassenräume: Wie Reinigung Kinder schützt

Schmutzige Klassenräume machen Kinder krank – das zeigen aktuelle Studien klar. Was professionelle Gebäudereinigung in Schulen bewirkt und worauf es 2026 ankommt.
Inhalte auf einen Blick

Wer morgens einen Grundschulflur betritt, riecht es manchmal schon: eine Mischung aus Pausenbrot, Schuhsohlen und abgestandener Luft. Was sich harmlos anhört, hat messbare Folgen für die Gesundheit von Kindern. Studien des Robert Koch-Instituts zeigen, dass Kinder im Schulalter durchschnittlich neun bis elf Atemwegsinfekte pro Jahr durchmachen, deutlich mehr als Erwachsene. Ein wesentlicher Faktor dabei: die Hygiene in Innenräumen, in denen sie täglich stundenlang sitzen.

Was sich in einem Klassenraum ansammelt

Ein durchschnittlicher Klassenraum mit 25 Schülerinnen und Schülern beherbergt nach einer Schulwoche ohne gründliche Reinigung mehrere Millionen Bakterienkolonien auf Oberflächen wie Tischplatten, Türgriffen und Lichtschaltern. Das klingt dramatisch, ist aber messbar: Mikrobiologen der Universität Arizona haben in vergleichbaren Untersuchungen festgestellt, dass Schreibtischoberflächen in Schulen bis zu 400-mal mehr Bakterien aufweisen als eine Toilettenbrille.

Hinzu kommen Feinstaub und Allergene. Pollenreste, Hausstaub, Schimmelsporen aus schlecht belüfteten Ecken und Tierhaare, die Kinder an ihrer Kleidung tragen, reichern sich im Teppichboden oder in Ritzen des Parketts an. Für Kinder mit Asthma oder Heuschnupfen sind das relevante Auslöser. Laut Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Allergologie leidet bereits jedes fünfte Schulkind in Deutschland an einer allergischen Erkrankung.

Worin sich einfaches Wischen und professionelle Reinigung unterscheiden

Viele Schulen setzen auf Hausmeister oder wechselnde Reinigungskräfte ohne spezialisierte Ausbildung. Das Ergebnis ist oft optische Sauberkeit: Die Tafel ist gewischt, der Boden gefegt. Mikrobiologisch bleibt das Ergebnis aber hinter dem zurück, was nötig wäre.

Professionelle Gebäudereinigung arbeitet nach definierten Hygieneprotokollen. Dazu gehören rotierende Reinigungspläne, die sicherstellen, dass auch selten beachtete Flächen regelmäßig desinfiziert werden: Heizkörperrippen, Fensterbänke, Schrank- und Regalunterseiten. Eingesetzt werden pH-neutrale, für Schulen zugelassene Reinigungsmittel, die weder Oberflächen beschädigen noch Rückstände hinterlassen, die Kinder beim Anfassen aufnehmen.

Besonders der Unterschied bei der Desinfektion ist relevant. Einfaches Wischen mit einem feuchten Tuch verteilt Keime häufig nur großflächiger. Professionelle Reiniger verwenden Mikrofasertücher in Farbkodierung, um Kreuzkontamination zu vermeiden, also dass Keime vom WC auf den Klassenraum übertragen werden. Für Schulen in Norddeutschland, die diesen Standard einhalten wollen, hat sich gezeigt, dass fachgerechte Gebäudereinigung in Lübeck nach DIN 77400 (der einzigen deutschen Norm speziell für Schulgebäude) messbar bessere Hygieneergebnisse liefert als ungeschultes Personal.

Was die DIN 77400 konkret vorschreibt

Die Norm DIN 77400, seit 2003 gültig und zuletzt 2021 aktualisiert, teilt Schulgebäude in Hygienebereiche ein und legt fest, wie oft welche Flächen gereinigt werden müssen. Ein Überblick:

Bereich Reinigungsintervall laut DIN 77400
Klassenräume (Böden) täglich
Sanitäranlagen täglich, bei Bedarf mehrfach
Türgriffe, Lichtschalter täglich
Fensterbänke, Ablagen wöchentlich
Heizkörper, Wandflächen monatlich

In der Praxis werden diese Intervalle an vielen Schulen nicht eingehalten, weil Reinigungsbudgets gekürzt wurden oder das beauftragte Personal die Norm nicht kennt. Eine Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft aus dem Jahr 2023 ergab, dass 61 Prozent der befragten Lehrkräfte die Reinigungsqualität an ihrer Schule als unzureichend bewerteten.

Raumluft als unterschätzter Faktor

Böden und Oberflächen sind das eine. Die Luft im Klassenraum ist das andere. CO₂-Konzentration, Feinstaub und flüchtige organische Verbindungen (VOC) aus Bodenbelägen oder Reinigungsmitteln beeinflussen die Konzentrationsfähigkeit von Kindern direkt. Eine Studie der Technischen Universität Dänemark zeigte, dass Schüler bei CO₂-Werten über 1.000 ppm signifikant schlechtere Testergebnisse erzielten als bei guter Belüftung.

Professionelle Reinigung trägt zur Luftqualität bei, indem Staub und Partikel nicht nur von sichtbaren Flächen, sondern auch aus Lüftungsschlitzen, Fensterrahmen und Vorhangschienen entfernt werden. Manche Reinigungsunternehmen bieten inzwischen ergänzend Luftmessungen an und dokumentieren Feinstaubwerte vor und nach der Reinigung. Das gibt Schulträgern konkrete Daten für Budgetentscheidungen.

Was Eltern und Schulen konkret einfordern können

Schulen sind in Deutschland Ländersache, und die Verantwortung für die Gebäudereinigung liegt meist bei den Kommunen als Schulträgern. Elternbeiräte haben das Recht, Einblick in Reinigungsverträge zu verlangen und Mängel schriftlich beim Schulträger zu melden. Folgende Punkte sind dabei sinnvoll zu prüfen:

  • Ist der Reinigungsvertrag an die DIN 77400 gekoppelt?
  • Wird das Reinigungspersonal regelmäßig geschult?
  • Gibt es einen dokumentierten Reinigungsplan mit Unterschrift?
  • Werden geprüfte, hautverträgliche Reinigungsmittel verwendet?
  • Wie wird bei erhöhtem Infektionsgeschehen (Grippewelle, Norovirus) reagiert?

Wer diese Fragen stellt, stößt oft auf Lücken, die sich mit vergleichsweise geringem Aufwand schließen lassen. Ein strukturierter Reinigungsplan, der schriftlich fixiert und regelmäßig kontrolliert wird, kostet keine zusätzlichen Mittel, sondern nur Aufmerksamkeit.

Fazit: Sauberkeit ist keine Selbstverständlichkeit

Gesunde Klassenräume entstehen nicht von selbst. Sie sind das Ergebnis konsequenter, fachkundiger Reinigung, die über das tägliche Kehren hinausgeht. Angesichts steigender Infektionszahlen bei Schulkindern und der anhaltenden Diskussion um Unterrichtsausfall ist die Investition in professionelle Hygiene kein Luxus, sondern eine praktische Maßnahme mit direktem Effekt auf Gesundheit und Lernleistung. Kommunen, die hier sparen, zahlen den Preis an anderer Stelle: durch häufigere Krankmeldungen, mehr Schulausfälle und langfristige Folgekosten für das Gesundheitssystem.

2026 sollte in keiner Schule mehr die Frage offen sein, ob Klassenräume sauber genug sind. Die Mittel und Methoden, um das sicherzustellen, sind vorhanden.