Ein Pferd aus der Nähe zu erleben, es zu striegeln, darauf zu sitzen und langsam die ersten Schritte im Sattel zu machen: Für viele Kinder ist das ein Traum. Reiten gehört in Deutschland zu den beliebtesten Freizeitsportarten für Mädchen zwischen sechs und vierzehn Jahren, aber auch Jungen entdecken es zunehmend für sich. Damit der erste Stallbesuch kein Reinfall wird, lohnt es sich, vorher genauer hinzuschauen, was auf die Familie zukommt.
Ab welchem Alter macht Reiten Sinn?
Viele Reitschulen bieten Voltigier- und Reitkurse ab vier Jahren an. Voltigieren, also das Turnen auf dem Pferd, eignet sich besonders für jüngere Kinder, weil dabei das Gleichgewicht und das Körpergefühl gefördert werden, ohne dass das Kind selbst die Kontrolle über das Tier übernehmen muss. Eigenständiges Reiten mit Lenken und Anhalten wird realistischerweise ab sechs bis sieben Jahren geübt. Zu diesem Zeitpunkt können Kinder Anweisungen verlässlich umsetzen und reagieren körperlich stabiler auf die Bewegungen des Pferdes. Eine starre Altersgrenze gibt es nicht, entscheidend sind Konzentrationsfähigkeit und der echte eigene Wunsch des Kindes, nicht der der Eltern.
Was kostet Reiten wirklich?
Reiten ist kein günstiges Hobby. Ein realistischer Überblick hilft, böse Überraschungen zu vermeiden. Die größten Kostenpunkte in der Übersicht:
- Reitstunden: 20 bis 35 Euro pro Einheit sind in deutschen Reitschulen üblich, in Großstädten auch mehr.
- Reithelm: Pflicht und nicht verhandelbar. Ein normgerechter Helm kostet zwischen 50 und 150 Euro.
- Reitstiefel oder Chaps: 30 bis 80 Euro für Einsteigermodelle.
- Reithose: 30 bis 60 Euro.
- Schnupperkurs oder Probestunde: 15 bis 25 Euro, oft auch als Ferienprogramm buchbar.
Ein eigenes Pferd oder eine Pflegebeteiligung kommt für Einsteiger nicht infrage und ist auch nicht nötig. Schulpferde reichen für den Anfang vollkommen aus. Wer ein Schnupperkurs-Angebot sucht, wird auf einem Pferdeportal oft fündig, wo Ställe und Reitschulen in der Nähe übersichtlich aufgeführt sind.
Sicherheit: Was Eltern unbedingt prüfen sollten
Der Helm ist das wichtigste Ausrüstungsstück und muss der aktuellen Norm entsprechen. In Deutschland gilt die Norm EN 1384, geprüfte Helme tragen das entsprechende Prüfzeichen. Ältere Helme, die nach einem Sturz Risse haben oder mehr als fünf Jahre alt sind, gehören ersetzt. Kinder sollten außerdem keine lose flatternde Kleidung tragen und beim ersten Kontakt mit dem Pferd immer unter Aufsicht einer erfahrenen Person stehen.
Wer die Reitschule zum ersten Mal besucht, sollte außerdem auf folgende Punkte achten:
- Sind die Schulpferde ruhig und für Kinder geeignet?
- Gibt es ausreichend Aufsicht, also maximal sechs bis acht Kinder pro Trainer bei Anfängerkursen?
- Ist der Platz eingezäunt und in gutem Zustand?
- Wird auf das richtige An- und Absteigen geachtet?
Der Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei, besser bekannt als die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), ist der zuständige Fachverband für den Pferdesport in Deutschland. Er zertifiziert Reitschulen und gibt klare Empfehlungen für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Eine FN-geprüfte Reitschule bietet eine verlässliche Grundlage für die Auswahl.
Was Reiten einem Kind wirklich gibt
Reiten ist kein passiver Sport. Das Kind sitzt nicht einfach oben, sondern kommuniziert ständig mit einem Lebewesen, das eigene Impulse und eine eigene Stimmung hat. Das schult Empathie, Geduld und Körperkontrolle gleichzeitig. Studien aus der Hippotherapie zeigen, dass die dreidimensionale Bewegung des Pferdes im Schritt der menschlichen Gehbewegung sehr ähnlich ist und dadurch Gleichgewicht und Rumpfmuskulatur trainiert werden, ohne dass das Kind sich das bewusst erarbeiten muss.
Hinzu kommt die soziale Dimension: Kinder, die in Reitgruppen lernen, übernehmen Verantwortung für ein Tier, helfen beim Putzen und Satteln und lernen, Verabredungen einzuhalten, weil das Pferd versorgt werden muss, egal wie das Wetter ist. Das ist ein anderes Erleben von Verbindlichkeit als beim Fußballtraining auf dem Kunstrasen.
Typische Fehler beim Einstieg
Viele Eltern kaufen zu früh zu viel. Ein komplettes Ausstattungsset vor der ersten Probestunde ist unnötig. Geliehene Helme sind in seriösen Reitschulen hygienisch gereinigt und für den Anfang ausreichend. Erst wenn klar ist, dass das Kind dabei bleiben möchte, lohnt die eigene Ausrüstung.
Ein weiterer Fehler: zu hohe Erwartungen nach kurzer Zeit. Kinder lernen im ersten halben Jahr vor allem, wie man sich auf dem Pferd hält, wie man es richtig führt und wie man Vertrauen aufbaut. Galoppieren und Springen kommen viel später. Wer das akzeptiert, spart sich Frustration auf beiden Seiten.
Grundlegende Informationen zum Sport und seiner Geschichte bietet auch die deutschsprachige Wikipedia-Seite zum Thema Reiten, die einen guten Einstieg in Grundbegriffe und Disziplinen gibt.
So gelingt der erste Stallbesuch
Konkret empfiehlt sich folgender Ablauf: Zunächst nur zuschauen, damit das Kind einschätzen kann, was es erwartet. Dann eine einzelne Probestunde buchen, nicht gleich ein Monatsabo. Danach zwei bis drei Wochen abwarten und das Kind selbst entscheiden lassen, ob es weitermachen möchte. Drängeln hilft nicht, Pferde spüren Anspannung und unsichere Kinder haben keinen Spaß.
Wenn der Funke gesprungen ist, lohnt sich der Blick auf Reitabzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Das kleine Hufeisen für die Jüngsten ist ein motivierendes Ziel, das die ersten Grundlagen prüft und Kindern ein klares Erfolgserlebnis verschafft. Reiten kann ein Sport fürs Leben werden, aber nur dann, wenn der Einstieg passt.