Familie und Geld: So klappt’s mit dem Haushaltsbudget

Wenn Kinder da sind, wird das Geld schnell knapp. Wer konkret rechnet und an den richtigen Stellen spart, behält trotzdem den Überblick.
Inhalte auf einen Blick

Ein Kind kostet bis zum 18. Geburtstag nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts im Durchschnitt rund 150.000 Euro. Bei zwei Kindern verdoppelt sich diese Summe nicht automatisch, aber die Fixkosten steigen trotzdem spürbar: mehr Wohnraum, mehr Lebensmittel, mehr Versicherungen, mehr Mobilität. Viele Familien stellen irgendwann fest, dass das Gehalt am Monatsende zwar reicht, aber kaum etwas übrig bleibt. Der erste Schritt aus dieser Situation ist immer derselbe: Zahlen auf den Tisch legen, statt nur grob zu schätzen.

Erst rechnen, dann entscheiden

Ein Haushaltsbudget muss nicht kompliziert sein. Wer alle monatlichen Einnahmen notiert und ihnen alle Ausgaben gegenüberstellt, sieht sofort, wo das Geld bleibt. Dafür reicht eine einfache Tabelle. Sinnvoll ist es, die Ausgaben in feste Kosten (Miete, Versicherungen, Verträge) und variable Kosten (Lebensmittel, Kleidung, Freizeit) aufzuteilen. Feste Kosten lassen sich kurzfristig kaum ändern, variable schon.

Konkret: Eine Familie mit zwei Kindern gibt laut einer Auswertung des Statistischen Bundesamts etwa 800 bis 1.000 Euro pro Monat allein für Lebensmittel und Getränke aus. Wer das mit tatsächlichen Kassenbons aus den letzten drei Monaten vergleicht, kommt oft auf andere, teils deutlich höhere Summen. Solche Abweichungen sind der Startpunkt für echte Einsparungen.

Lebensmittel: Wo sich Disziplin wirklich auszahlt

Einkaufen ohne Liste kostet im Durchschnitt etwa 20 bis 30 Prozent mehr als geplantes Einkaufen. Das klingt abstrakt, bedeutet für eine vierköpfige Familie aber schnell 150 Euro mehr pro Monat. Wochenpläne für Mahlzeiten helfen, weil dann gezielt eingekauft wird und weniger Lebensmittel in der Tonne landen. Die Verbraucherzentrale schätzt, dass jeder Haushalt in Deutschland jährlich etwa 235 Euro durch weggeworfene Lebensmittel verliert.

Eigenmarken von Discountern unterscheiden sich bei vielen Produkten kaum von Markenware. Bei Grundnahrungsmitteln wie Mehl, Nudeln, Reis oder Haferflocken sind die Unterschiede in Qualität und Inhaltsstoffen minimal, beim Preis dagegen erheblich. Ein konsequenter Wechsel bei diesen Produkten spart einer Familie schnell 50 bis 80 Euro im Monat.

Energiekosten gezielt senken

Strom gehört zu den Kostenpunkten, die Familien oft unterschätzen. Mit Kindern läuft mehr: Waschmaschine, Trockner, Spielekonsole, Laptop, Ladekabel. Wer seinen Jahresverbrauch einmal abliest, stellt oft fest, dass er deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt. Veraltete Geräte, Stand-by-Betrieb und schlechte Dämmung treiben die Rechnung hoch. Stromkosten für Familien senken ist dabei kein einmaliger Akt, sondern ein Prozess aus kleinen Stellschrauben: Tarif prüfen, Verbrauch messen, Geräte ersetzen.

Konkrete Zahlen aus der Praxis: Eine Familie mit zwei Kindern verbraucht im Jahr oft zwischen 4.000 und 5.500 Kilowattstunden Strom. Bei einem Arbeitspreis von 30 Cent pro Kilowattstunde sind das 1.200 bis 1.650 Euro jährlich. Wer durch einen günstigeren Tarif und etwas Sparverhalten auf 3.500 Kilowattstunden kommt, spart pro Jahr 150 bis 400 Euro, ohne auf Komfort zu verzichten.

Staatliche Leistungen vollständig ausschöpfen

Viele Familien lassen Geld liegen, weil sie staatliche Leistungen nicht beantragen. Kindergeld wird zwar fast überall beantragt, aber Kinderzuschlag, Wohngeld oder Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket werden häufig übersehen. Der Kinderzuschlag kann bis zu 250 Euro pro Kind und Monat betragen und wird unabhängig vom Kindergeld ausgezahlt, wenn das Familieneinkommen bestimmte Grenzen nicht überschreitet.

Wer prüfen will, welche Leistungen ihm zustehen, findet auf der Seite der Bundesbehörde für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben sowie direkt bei der zuständigen Familienkasse strukturierte Informationen. Anträge wirken manchmal abschreckend, aber bei einem potenziellen Mehreinnahmen von mehreren Tausend Euro pro Jahr lohnt sich der Aufwand fast immer.

Freizeit mit Kindern muss nicht teuer sein

Familienausflüge, Sportvereine, Musikschule, Feriencamps: Diese Posten summieren sich schnell. Gleichzeitig gibt es in Deutschland ein dichtes Netz an günstigen oder kostenlosen Angeboten, das viele Familien kaum kennen.

  • Stadtbibliotheken bieten nicht nur Bücher, sondern oft auch Spielzeug, Spiele und Veranstaltungen kostenlos an.
  • Viele Museen haben an bestimmten Tagen freien Eintritt für Kinder oder Familien.
  • Sportvereine kosten oft 5 bis 15 Euro im Monat und sind damit deutlich günstiger als kommerzielle Sportstudios oder Kletterhallen.
  • Das Bildungs- und Teilhabepaket übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen Vereinsbeiträge vollständig.

Wer Geburtstagsfeiern plant, stellt außerdem fest: Selbst organisierte Feiern zu Hause oder im Park kosten oft ein Zehntel von dem, was ein Kindergeburtstagsrestaurant oder eine Kletterhalle berechnet, und Kinder empfinden sie genauso als besonders.

Langfristig denken: Rücklage statt Ratenkredit

Ungeplante Ausgaben treffen Familien härter als Singles, weil die finanzielle Puffer kleiner sind. Autoreparatur, neue Waschmaschine, kaputtes Fahrrad: Wer keine Rücklage hat, greift zum Ratenkredit. Bei einem typischen Konsumkredit über 3.000 Euro und einer Laufzeit von 36 Monaten zahlt man bei 8 Prozent effektivem Jahreszins rund 380 Euro extra. Diese Summe hätte als monatliche Rücklage von gut 80 Euro über 36 Monate denselben Betrag ohne Zinslast aufgebaut.

Der Einstieg in eine solche Rücklage muss nicht groß sein. 30 oder 50 Euro monatlich auf ein separates Konto, das nicht für den Alltag genutzt wird, reichen als Anfang. Das Bundesbank-Angebot zur finanziellen Bildung erklärt solche Grundprinzipien auch für Kinder verständlich, was den Nebeneffekt hat, dass Kinder früh lernen, mit Geld umzugehen.

Familienfinanzen zu ordnen ist kein einmaliges Projekt. Es ist ein Prozess, der Gewohnheiten verändert, und je früher Kinder dabei einbezogen werden, desto selbstverständlicher wird ein bewusster Umgang mit Geld für sie.