Wer abends durch das Haus geht und prüft, was alles an ist, landet oft zuerst im Kinderzimmer. Tablet im Standby, Spielekonsole im Ruhemodus, Nachtlicht, vielleicht noch eine Bluetooth-Box. Was einzeln harmlos klingt, summiert sich über das Jahr zu einem spürbaren Posten auf der Stromrechnung. Eltern, die darüber nachdenken, eine Solaranlage anzuschaffen, fragen sich zu Recht, ob das auch für den Verbrauch im Kinderzimmer eine sinnvolle Lösung ist. Die Antwort ist: ja, aber mit ein paar Einschränkungen, die man kennen sollte.
Wie viel Strom verbrauchen Kinder-Geräte wirklich?
Ein Smartphone, das über Nacht lädt, zieht zwischen 5 und 15 Watt. Eine Nintendo Switch im Dock kommt auf rund 10 bis 18 Watt im Betrieb. Ein kleiner Röhren-Fernseher aus der Restekiste des Großvaters kann hingegen 60 bis 80 Watt verbrauchen. Moderne Flachbildschirme mit 24 Zoll liegen bei 20 bis 35 Watt. Addiert man typische Nutzungszeiten, also zwei Stunden Spielen, eine Stunde Streaming, Licht und Standby-Betrieb der Geräte, landet man schnell bei 200 bis 350 Kilowattstunden pro Jahr allein für ein durchschnittliches Kinderzimmer.
Bei einem Strompreis von rund 30 Cent pro Kilowattstunde entspricht das 60 bis 105 Euro jährlich. Für ein Einfamilienhaus mit zwei Kindern sind das also bis zu 210 Euro, die allein auf das Konto der Kinderzimmer gehen. Das ist kein Drama, aber es ist auch kein vernachlässigbarer Betrag.
Was eine Solaranlage dazu beitragen kann
Eine typische Aufdach-Photovoltaikanlage für ein Einfamilienhaus hat heute eine Leistung zwischen 6 und 12 Kilowattpeak. Laut Umweltbundesamt erzeugt eine solche Anlage in Deutschland je nach Region und Dachausrichtung zwischen 900 und 1.100 Kilowattstunden pro installiertem Kilowattpeak und Jahr. Eine 8-Kilowattpeak-Anlage liefert also grob zwischen 7.200 und 8.800 Kilowattstunden jährlich.
Der Haken: Ein Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern verbraucht im Schnitt 4.000 bis 5.000 Kilowattstunden pro Jahr. Die Solaranlage könnte also rein rechnerisch den gesamten Bedarf abdecken, wenn der Strom dann verbraucht wird, wenn die Sonne scheint. Genau das ist das zentrale Problem: Kinder verbrauchen ihren Strom abends, wenn wenig oder gar kein Solarstrom fließt.
Wer sich tiefer mit der Materie beschäftigen möchte, findet im Solaranlagen Ratgeber einen guten strukturierten Überblick über Anlagentypen, Wirtschaftlichkeit und aktuelle Förderungen, der technische Zusammenhänge verständlich erklärt.
Speicher als Schlüssel für das Kinderzimmer
Der einzige Weg, Solarstrom auch am Abend zu nutzen, führt über einen Batteriespeicher. Die gängigen Heimspeicher haben heute Kapazitäten zwischen 5 und 15 Kilowattstunden. Kostet eine Kilowattstunde Speicherkapazität in der Anschaffung noch rund 800 bis 1.200 Euro inklusive Installation, lohnt sich ein Speicher vor allem dann, wenn der Haushalt ohnehin viel Strom verbraucht und dieser möglichst vollständig selbst erzeugt werden soll.
Konkret für das Kinderzimmer: 200 bis 350 Kilowattstunden Jahresverbrauch entsprechen einem täglichen Bedarf von 0,55 bis 0,95 Kilowattstunden. Ein kleiner Speicher mit 5 Kilowattstunden würde diesen Bedarf allein für den Abend mehr als ausreichend puffern. Entscheidend ist aber, ob der Rest des Haushalts ebenfalls vom Speicher profitiert, sonst rechnet sich die Investition in den Speicher nicht auf den Kinderzimmer-Verbrauch allein herunter.
Balkonsolar: Eine einfachere Alternative für Mieter
Wer zur Miete wohnt oder keine Möglichkeit hat, das Dach zu nutzen, kann auf sogenannte Steckersolargeräte zurückgreifen, umgangssprachlich als Balkonkraftwerke bekannt. Diese kleinen Anlagen mit 300 bis 800 Watt Leistung werden direkt in eine Haushaltssteckdose eingesteckt. Sie reduzieren den Strombezug aus dem Netz, solange die Sonne scheint, und können je nach Standort 200 bis 400 Kilowattstunden pro Jahr erzeugen.
Das reicht nicht, um das Kinderzimmer vollständig zu versorgen, schont aber messbar die Stromrechnung. Seit der Vereinfachung der Anmeldepflichten in Deutschland müssen Steckersolargeräte nur noch beim Netzbetreiber angemeldet werden, eine aufwendige Zertifizierung entfällt in den meisten Fällen. Die genauen Regelungen regelt das Bundesrecht auf gesetze-im-internet.de, wo die relevanten Passagen im Energiewirtschaftsgesetz und den zugehörigen Verordnungen einsehbar sind.
Tipps für Eltern, die Strom sparen wollen
Unabhängig davon, ob eine Solaranlage angeschafft wird oder nicht, lohnt es sich, den Verbrauch im Kinderzimmer aktiv zu steuern. Ein paar Maßnahmen helfen dabei:
- Steckdosenleisten mit Schalter verhindern, dass Geräte im Standby dauerhaft Strom ziehen. Bei fünf Geräten mit je 2 Watt Standby-Verbrauch sind das über das Jahr rund 87 Kilowattstunden.
- LED-Nachtlichter verbrauchen 0,5 bis 1 Watt statt 5 bis 8 Watt bei älteren Modellen mit Glühbirne.
- Ladezeiten tagseitig legen, wenn eine Solaranlage vorhanden ist. Tablet und Smartphone können tagsüber geladen werden, wenn Solarstrom zur Verfügung steht.
- Smart Plugs mit Zeitfunktion schalten Geräte automatisch ab, wenn das Kind schläft. Viele Modelle lassen sich per App steuern und zeigen auch den tatsächlichen Verbrauch an.
Lohnt sich eine Solaranlage speziell wegen des Kinderzimmers?
Nein, das wäre eine unpassende Begründung. Eine Photovoltaikanlage rechnet sich über den Gesamtverbrauch des Haushalts und nicht über den eines einzelnen Raumes. Was das Kinderzimmer aber zeigt: Kleine Verbraucher, die rund um die Uhr aktiv sind, machen zusammen einen relevanten Teil des Jahresverbrauchs aus. Wer eine Anlage plant, sollte auch diesen Teil in die Verbrauchsanalyse einbeziehen.
Wer kein Eigenheim besitzt oder nicht investieren möchte, kann durch einfache Verhaltensänderungen und günstige Hilfsmittel trotzdem deutlich sparen. Kinder lassen sich zudem gut einbeziehen: Wer versteht, wie Strom entsteht und was er kostet, geht bewusster damit um. Das ist vielleicht der langfristig wirksamste Effekt, den Eltern im Kinderzimmer erzielen können.