Wer zum ersten Mal eine Seegurke sieht, denkt meist an eine alte Socke oder einen aufgeblasenen Schlauch. Kein Kopf, keine sichtbaren Augen, keine Flossen. Trotzdem ist die Seegurke ein echtes Tier und sogar ein Stachelhäuter, also verwandt mit Seeigeln und Seesternen. Weltweit gibt es mehr als 1.700 verschiedene Arten, sie leben in allen Meeren der Erde und kommen von der Wasseroberfläche bis in 10.000 Meter Tiefe vor.
Wie sieht eine Seegurke aus?
Der Körper einer Seegurke ist länglich, weich und meistens walzenförmig. Je nach Art wird sie zwischen 2 und 200 Zentimeter lang. Die meisten Arten, die man beim Schnorcheln antrifft, sind etwa 20 bis 40 Zentimeter lang. Ihre Haut fühlt sich ledrig an und kann je nach Art glatt, warzig oder stachelig sein.
An einem Ende befindet sich der Mund, umgeben von kleinen Tentakeln, die wie ein Blumenkranz aussehen. Mit diesen Tentakeln nimmt die Seegurke Nahrung auf. Am anderen Ende liegt der After, den sie auch zum Atmen benutzt. Dazu gleich mehr.
Was frisst eine Seegurke?
Seegurken sind Bodenreiniger des Meeres. Sie fressen Sand und Schlamm, verdauen die winzigen organischen Teilchen darin und scheiden den Rest wieder aus. Eine einzige Seegurke kann so pro Jahr bis zu 45 Kilogramm Sediment durch ihren Körper schleusen. Das klingt unappetitlich, ist für das Ökosystem aber wertvoll: Die Tiere lockern den Meeresboden auf und recyceln Nährstoffe, die andere Lebewesen brauchen.
Manche Arten fangen mit ihren Tentakeln auch schwebende Partikel direkt aus dem Wasser. Dafür strecken sie die klebrigen Arme in die Strömung und lecken sie anschließend ab.
Der seltsamste Trick: Atmen durch den After
Seegurken haben keine Kiemen wie Fische. Stattdessen pumpen sie Wasser durch ihre Körperöffnung am hinteren Ende in sogenannte Wasserlungen, die im Inneren des Körpers sitzen. Dort wird Sauerstoff aus dem Wasser entnommen. Dieses Atemsystem ist einzigartig im Tierreich und für Kinder oft das verblüffendste Detail überhaupt.
Noch erstaunlicher ist, was in diesen Wasserlungen manchmal lebt: Kleine Perlenfische der Gattung Carapus schlüpfen tatsächlich in die Seegurke hinein und verstecken sich dort. Sie verlassen ihren Wirt nachts, um zu fressen, und kehren morgens wieder zurück.
Verteidigung auf ungewöhnliche Art
Wird eine Seegurke bedroht, setzt sie eine bemerkenswerte Strategie ein. Sie stößt einen Teil ihrer Innereien, darunter Teile des Verdauungstrakts und klebrige Fäden, durch die Körperöffnung aus. Diese Fäden, bekannt als Cuvierschen Schläuche, können Feinde wie Krebse oder Fische regelrecht verkleben. Die fehlenden Organe wachsen innerhalb weniger Wochen vollständig nach.
Auf der Infoseite zur Seegurke des Blue Aquarium lässt sich gut nachlesen, welche weiteren Besonderheiten dieser Tiere im Aquarium zu beobachten sind. Manche Seegurken können sich zudem bei Stress verflüssigen, also ihren Körper so weich machen, dass sie durch kleinste Spalten im Fels passen, und sich anschließend wieder festigen.
Wo leben Seegurken?
Seegurken bevorzugen ruhige, sandige oder felsige Meeresböden. Besonders viele Arten findet man in tropischen Gewässern, etwa rund um Korallenriffe im Indischen Ozean oder im Pazifik. Im Roten Meer tauchen Schnorchler häufig über große Gruppen von Seegurken hinweg, ohne ihnen dabei Beachtung zu schenken.
In europäischen Meeren kommt die Gemeine Seewalze (Holothuria tubulosa) vor, unter anderem im Mittelmeer und gelegentlich im Atlantik. Sie wird bis zu 30 Zentimeter lang und hat eine bräunlich-rote Farbe. Wer im Mittelmeer schnorchelt, hat gute Chancen, ihr zu begegnen.
Fakten auf einen Blick
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Anzahl Arten weltweit | mehr als 1.700 |
| Größe | 2 bis 200 Zentimeter |
| Verwandte Tiere | Seeigel, Seesterne, Schlangensterne |
| Lebensraum | alle Meere, 0 bis 10.000 Meter Tiefe |
| Nahrung | organische Partikel im Sand und Schlamm |
Seegurken und Menschen
In vielen Teilen Asiens gelten Seegurken als Delikatesse. In China, Japan und Malaysia werden sie getrocknet oder in Suppen verarbeitet. Der internationale Handel ist enorm: Jährlich werden schätzungsweise mehrere tausend Tonnen gefangen und gehandelt. Das hat in einigen Regionen zu starker Überfischung geführt. Mehrere Arten stehen inzwischen auf der Roten Liste gefährdeter Tiere.
Wissenschaftler interessieren sich außerdem für die Fähigkeit der Seegurke, Organe zu regenerieren. Diese Eigenschaft könnte eines Tages für die medizinische Forschung nützlich sein, auch wenn konkrete Anwendungen noch weit in der Zukunft liegen.
Was Kinder beim Tauchen oder Schnorcheln beachten sollten
Seegurken sehen harmlos aus, aber man sollte sie nicht aufheben oder erschrecken. Einige Arten scheiden beim Stress giftige Substanzen aus, die für Fische tödlich sein können und Haut sowie Augen reizen. Der beste Umgang ist Abstand halten und beobachten.
- Seegurken niemals aus dem Wasser nehmen, sie trocknen schnell aus und sterben.
- Nicht direkt berühren, manche Arten reagieren mit dem Ausstoßen von Cuvierschen Schläuchen.
- Fotos machen ist erlaubt und macht Spaß, besonders wenn sich die Tentakel am Mund bewegen.
- In Aquarien können Seegurken meist gefahrlos durch das Glas beobachtet werden.
Die Seegurke gehört zu den Tieren, die man unterschätzt. Kein buntes Muster, keine schnellen Bewegungen, kein Laut. Und trotzdem reinigt sie Meeresböden, beherbergt andere Tiere in sich, atmet durch ihren After und wächst fehlende Organe nach. Wer das weiß, schaut beim nächsten Tauchgang garantiert genauer hin.