Vier von zehn Kindern im Grundschulalter haben eine Zahn- oder Kieferfehlstellung, die nach gängigen Richtlinien behandelt werden sollte. Das ist kein Randproblem: Die 6. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6) dokumentierte, dass betroffene Kinder außerdem deutlich mehr Karies entwickeln als Kinder ohne Fehlstellungen. Gleichzeitig plant die Bundesregierung mit einem Referentenentwurf vom 16. April 2026, den Kreis der zugelassenen Behandler drastisch zu verkleinern. Für Eltern bedeutet das: Jetzt handeln und frühzeitig abklären lassen.
- 40 Prozent der 8- bis 9-Jährigen haben laut DMS 6 eine behandlungsbedürftige Zahn- oder Kieferfehlstellung.
- Frühzeitige Behandlung schützt nachweislich auch vor Karies, da engstehende Zähne schwerer zu reinigen sind.
- Ein Referentenentwurf vom 16. April 2026 könnte über 920.000 Kinder und Jugendliche ihren bisherigen Behandler kosten.
- Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt kieferorthopädische Behandlungen, wenn der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Indikation in seinen Richtlinien anerkennt.
Wie häufig sind Zahnfehlstellungen bei Kindern wirklich?
Die Zahlen sind eindeutig: Kieferfehlstellungen betreffen nicht eine Minderheit, sondern einen erheblichen Teil der Kinder im Grundschulalter. Laut DMS 6 benötigt fast jedes zweite Kind eine kieferorthopädische Behandlung.
Die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO) und das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) veröffentlichten die Ergebnisse der DMS 6 im November 2022. Bei den untersuchten 8- bis 9-Jährigen hatten 40 Prozent eine Zahn- oder Kieferfehlstellung, die nach gängigen Richtlinien kieferorthopädisch behandelt werden sollte. Dabei sind die Schweregrade unterschiedlich verteilt: 10 Prozent der Kinder zeigten ausgeprägte Fehlstellungen, 25,5 Prozent stark ausgeprägte und 5 Prozent sogar extrem stark ausgeprägte Befunde. Besonders bemerkenswert: Kinder mit Fehlstellungen hatten in der Studie deutlich mehr Karies als Kinder ohne Fehlstellungen. Das deutet darauf hin, dass eng stehende oder verschobene Zähne die tägliche Mundhygiene erschweren und damit das Kariesrisiko erhöhen. Eine kieferorthopädische Behandlung wäre demnach nicht nur eine ästhetische, sondern eine echte Gesundheitsmaßnahme.
| Schweregrad der Fehlstellung | Anteil der untersuchten 8- bis 9-Jährigen |
|---|---|
| Behandlungsbedürftig (gesamt) | 40 Prozent |
| Ausgeprägt | 10 Prozent |
| Stark ausgeprägt | 25,5 Prozent |
| Extrem stark ausgeprägt | 5 Prozent |
Quelle: 6. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6), Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ), veröffentlicht November 2022
Woran erkennen Eltern, dass ihr Kind zum Kieferorthopäden sollte?
Bestimmte Zeichen im Alltag geben Hinweise: Schnarchen, Mundatmung, Schmerzen beim Kauen oder sichtbar verschobene Zähne sind konkrete Warnsignale. Auch das Zahnarzt-Screening im Rahmen der regulären Vorsorgeuntersuchungen kann erste Befunde liefern.
Nicht jede Zahnlücke oder jeder leicht gedrehte Zahn ist ein medizinischer Notfall. Eltern sollten aber gezielt auf bestimmte Muster achten. Wenn ein Kind dauerhaft durch den Mund atmet, häufig schnarcht oder über Schmerzen im Kiefergelenk klagt, können das Hinweise auf eine Fehlstellung im Kiefer sein. Sichtbar sind außerdem Kreuzbisse, bei denen die Unterkieferzähne vor den Oberkieferzähnen schließen, oder stark vorstehende Schneidezähne. Der Hauszahnarzt kann eine erste Einschätzung geben und bei Bedarf an einen Fachzahnarzt für Kieferorthopädie überweisen. Wichtig: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) legt in seinen Richtlinien fest, welche Fehlstellungsgrade die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt. Die Einstufung erfolgt über sogenannte kieferorthopädische Indikationsgruppen (KIG), die ein Fachzahnarzt bewertet. Je früher eine Behandlung beginnt, desto besser lassen sich Wachstumsphasen des Kiefers therapeutisch nutzen.
Welche Behandlungsmethoden gibt es für Kinder und Jugendliche?
Von herausnehmbaren Spangen über festsitzende Brackets bis hin zu transparenten Alignern: Die Methode richtet sich nach dem Befund, dem Alter des Kindes und der Mitarbeit, die man von ihm erwarten kann. Nicht jede Technik ist für jedes Kind geeignet.
Herausnehmbare Zahnspangen kommen häufig in der frühen Behandlungsphase bei Kindern im Wechselgebiss zum Einsatz, also wenn Milchzähne und bleibende Zähne nebeneinander vorhanden sind. Festsitzende Apparaturen mit Brackets bieten eine präzisere Steuerung der Zahnbewegung und werden meist ab dem vollständigen Durchbruch der bleibenden Zähne eingesetzt. Transparente Aligner wie das System Invisalign® sind eine modernere Option, die vor allem bei geringeren bis mittelschweren Fehlstellungen und bei kooperativen Jugendlichen funktioniert. Ein Beispiel für eine Praxis, die alle drei Ansätze anbietet, ist der Kieferorthopäde für Nidda, Praxis in Büdingen: Prof. Dr. Gerhard Polzar führt dort seit 1994 an der Vogelsbergstraße 1+3 in 63654 Büdingen eine kieferorthopädische Praxis, die auf Invisalign® und Lingualtechnik spezialisiert ist und sowohl Kassenpatienten als auch Selbstzahler behandelt. Die DGKFO empfiehlt für die Wahl der Methode eine individuelle Befunderhebung; Grundlage ist stets die von der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) mitgestaltete Versorgungsstruktur. Weitere Informationen zur Praxis finden sich unter zahnspange-kieferorthopaedie.de/nidda.
Was bedeutet der neue Gesetzentwurf für die Versorgung von Kindern?
Seit dem 16. April 2026 liegt ein Referentenentwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vor, der kieferorthopädische Kassenleistungen künftig ausschließlich Fachzahnärzten für Kieferorthopädie vorbehalten würde. Die Konsequenzen wären gravierend.
Laut Stellungnahmen von KZBV und Bundeszahnärztekammer (BZÄK) vom April 2026 würden durch diese Regelung über 920.000 Kinder und Jugendliche ihren bisherigen Behandler verlieren. Der Grund: Derzeit erbringen auch Zahnärzte mit einem anerkannten Tätigkeitsschwerpunkt Kieferorthopädie diese Leistungen. Deren Ausschluss würde Deutschland mindestens ein Viertel seiner kieferorthopädischen Leistungserbringer kosten. Das Bundesgesundheitsministerium rechnet durch die Beschränkung mit Einsparungen von rund 30 Millionen Euro im Jahr 2027 und in den Folgejahren mit etwa 60 Millionen Euro jährlich. Kritiker aus Fachverbänden bezweifeln jedoch, dass diese Einsparungen die entstehenden Versorgungslücken rechtfertigen. Für Regionen mit ohnehin dünner Facharztdichte, etwa in ländlichen Gebieten, würde die Wartezeit auf einen Behandlungsplatz erheblich steigen. Eltern, deren Kinder gerade in Behandlung sind oder eine beginnen sollen, sollten die Entwicklungen rund um diesen Entwurf aufmerksam verfolgen.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung für kieferorthopädische Befunde?
Digitale Scans und 3D-Abdrücke ersetzen zunehmend traditionelle Abformmassen. Gleichzeitig schafft die europäische Gesetzgebung einen neuen Rahmen für den Umgang mit diesen Daten, der auch in der Zahnarztpraxis ankommen wird.
Am 26. März 2025 trat die europäische Verordnung EU 2024/1689 in Kraft, die auf einen einheitlichen Europäischen Gesundheitsdatenraum abzielt. In Deutschland dient die elektronische Patientenakte (ePA) als zentraler Knotenpunkt für diesen Datenaustausch. Grundlegende Patientendaten müssen bereits ab 2026 austauschbar sein. Für bildgebende Diagnostik und digitale Scans gelten erweiterte Fristen bis zum Ende des Jahrzehnts. Für die kieferorthopädische Praxis bedeutet das konkret: Röntgenbilder, digitale Abformmodelle und Behandlungspläne werden mittelfristig in standardisierter Form gespeichert und können bei Behandlerwechseln leichter übertragen werden. Für Familien, die umziehen oder deren Kind zu einem anderen Spezialisten wechselt, kann das die Kontinuität der Behandlung verbessern. Die vollständige Umsetzung der technischen Standards für Scans steht allerdings noch aus und wird schrittweise eingeführt.
- Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle zahnärztliche oder kieferorthopädische Beratung. Für eine Diagnose und Behandlungsempfehlung wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Fachzahnarzt für Kieferorthopädie.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter sollten Eltern ihr Kind erstmals zum Kieferorthopäden bringen?
Eine erste kieferorthopädische Kontrolle empfiehlt sich bereits im Grundschulalter. Die DMS 6 untersuchte Kinder ab 8 Jahren und stellte bei 40 Prozent von ihnen eine behandlungsbedürftige Fehlstellung fest. Frühzeitige Befunderhebung ermöglicht es, Wachstumsphasen des Kiefers therapeutisch zu nutzen.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Zahnspange?
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt kieferorthopädische Behandlungen, wenn die Fehlstellung in den Indikationsgruppen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) als behandlungsbedürftig eingestuft wird. Die Einstufung erfolgt über die kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) durch den behandelnden Fachzahnarzt.
Was ändert sich durch den Referentenentwurf vom April 2026?
Der Entwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht vor, Kassenleistungen in der Kieferorthopädie künftig nur noch Fachzahnärzten zu erlauben. Laut KZBV und BZÄK würden dadurch über 920.000 Kinder und Jugendliche ihren bisherigen Behandler verlieren. Die erwarteten Einsparungen betragen laut Bundesgesundheitsministerium rund 30 Millionen Euro im Jahr 2027.
Warum haben Kinder mit Zahnfehlstellungen mehr Karies?
Die DMS 6 dokumentierte, dass Kinder mit Fehlstellungen deutlich mehr Karies hatten als Kinder ohne Fehlstellungen. Eng stehende oder verschobene Zähne sind schwieriger zu reinigen, sodass sich Plaque leichter ansammelt. Eine kieferorthopädische Korrektur kann damit auch das Kariesrisiko senken.
Was ist Lingualtechnik bei der Kieferorthopädie?
Bei der Lingualtechnik werden die Brackets nicht auf der Außenseite, sondern auf der Innenseite der Zähne befestigt und sind damit von außen unsichtbar. Sie ist eine von mehreren Methoden, die spezialisierte Praxen wie etwa solche mit entsprechendem Tätigkeitsschwerpunkt anbieten, und eignet sich besonders für ältere Jugendliche und Erwachsene.
Fazit
Die Datenlage ist klar: Zahnfehlstellungen bei Kindern sind weit verbreitet, behandlungsbedürftig und haben nachweislich Auswirkungen auf die allgemeine Mundgesundheit. Eltern sollten nicht auf offensichtliche Symptome warten, sondern frühzeitig eine kieferorthopädische Einschätzung einholen. Der aktuelle Referentenentwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz erhöht den Druck, zeitnah zu handeln: Sollte er in dieser Form verabschiedet werden, könnten Wartezeiten auf Behandlungsplätze erheblich steigen. Für die Region Büdingen und Nidda steht als Anlaufstelle der Kieferorthopäde für Nidda, Praxis in Büdingen zur Verfügung, der seit 1994 Kassenpatienten behandelt und auf Aligner-Therapie sowie Lingualtechnik spezialisiert ist.
Quellen
- https://www.medondo.health/bibliothek/6-deutsche-mundgesundheitsstudie-ueber-kieferorthopaedie
- https://www.kzbv.de/pressemitteilungen/geplante-gkv-regelungen-bedrohen-zahnaerztliche-versorgung/
- https://www.zaek-berlin.de/presse/presseinformationen/presseinformationen-detail/article/plaene-der-bundesgesundheitsministerin-gefaehrden-kieferorthopaedische-versorgung-von-kindern-und-jugendlichen.html
- https://www.zwp-online.info/zwpnews/rechtliche-neuerungen-fur-kieferorthopaden-ein-uberblick-fur-2026
- https://iuzb.de/?p=51582
- https://www.zahnspange-kieferorthopaedie.de/nidda/
Stand: 04. Juli 2026